12.15 h
Die der Migration und dem Exil gewidmete Lyrik ist in der tschechischen Poesie ein relativ neues
Phänomen, und die Frage, ob man wie in den westlichen Literaturen von „interkultureller Literatur“ sprechen kann, bleibt offen. Dazu gehören Mehrsprachigkeit und die Erfahrung des Schreibens außerhalb der Muttersprache, der kulturelle Wechsel zwischen Codes sowie die Erforschung des kollektiven kulturellen Gedächtnisses eines Ortes. Der Ort ist nicht bloß Kulisse für den lyrischen Prozess, sondern dessen ontologischer Ausgangspunkt. Seine Trajektorie muss zudem nicht nur horizontal zwischen bestimmten Orten verlaufen, wie es typischerweise bei einem Pilger, Nomaden, Flaneur oder Migranten der Fall ist, sondern auch vertikal, in tiefere Schichten des Gedächtnisses, und damit zur Aufarbeitung historischer Traumata beitragen.
Marie Iljašenko, Zofia Bałdyga, Sufian Massalema. Moderation: Jan Heller, deutsche Stimme: Armin Nufer
14.15 h
Von Mitteleuropa in weite Ferne
Die tschechische Prosa blieb lange ausschließlich auf heimische Themen beschränkt. Erst nach 2000 begann sie, sich der Erkundung neuer Orte, Kulturen und Lebensweisen zu öffnen. Matěj Hořava und Klára Wang Tylová thematisieren geografisch und kulturell entfernte Räume, die den Lesehorizont erweitern. Im Mittelpunkt steht dabei vor allem die Erfahrung von Fremdheit und Andersartigkeit. Ihre Texte führen in Lebenswelten, die sich von der mitteleuropäischen Erfahrung unterscheiden, und machen die Begegnung mit anderen Orten, Kulturen und Lebensweisen zum Gegenstand literarischer Darstellung.
Klára Wang Tylová, Matěj Hořava. Moderation: Tino Dallmann, deutsche Stimme: Armin Nufer
